Rückblick auf vergangene Reisen

Mehr als baden in Baden-Baden - Willkommen 2026

30. Dezember 2025 bis 2. Januar 2026

 „Merci für die Silvesterreise. Hat wieder ganz viel Spass gemacht.“ M.

"Liebe Barbara. Ich bedanke mich bei dir von ganzem Herzen für die wunderbaren Tage in BaBa, die du uns mit den vielfältigen Angeboten und der super Organisation zum Erlebnis hast werden lassen, das bei mir in schönster Erinnerung bleiben wird! Ich bin gespannt auf das Silvesterangebot 26/27!" S.

Zum dritten Mal reiste das Anderswo über den Jahreswechsel in eine Stadt in Süddeutschland. Einige der Gäste waren zum dritten Mal dabei, einige zum zweiten und wenige zum ersten Mal. Nachdem wir zuvor in Stuttgart und Ulm waren, empfing uns diesmal Baden-Baden. 

Die Stadt bezeichnet sich selbst als kleinste Weltstadt. Wir genossen Theater und Konzert, besuchten Museen und den Christkindlesmarkt, promenierten durch die Lichtentaler Allee und hinauf zum Marktplatz und erkundeten das vielfältige kulinarische Angebot.

Bei Führungen lernten wir die Stadt und ihre Geschichte kennen. Im Museum Frieder Burda erfuhren wir mehr über den deutschen Impressionismus. Am letzten Tag tauchten wir im Stadtmuseum nochmals tief in die Geschichte von Baden-Baden ein.

Zwischen den Programmpunkten blieb Zeit für einen Ausflug auf den Hausberg Merkur oder für ein ausgiebiges Bad in einer der Thermen.

Auf der Heimreise waren sich wohl alle einig, Baden-Baden ist eine Reise wert und den Start ins neue Jahr mit der Silvestergruppe von im Anderswo zu verbringen eine sehr gute Idee. 

Übrigens: Die Reise zum Jahreswechsel 2026/27 ist bereits in Planung. 

Parkhotel Atlantic in Baden-Baden
Kloster Lichtental
In der Lichtentaler-Allee
Rose von Isa Genzken in der Lichtentaler Allee
Theater Baden-Baden
Silvestertafel im Restaurant M10 in Baden-Baden
Bereit fürs neue Jahr
Neujahrskonzert der Philharmonie Baden-Baden
Im Kaminzimmer
Nacht über dem Hotel Atlantic

Kunst verusse im Misox - Ein Wochenende voller Kunst, Natur und Kreativität

29. August bis 1. September 2025

Mit sechs Gästen, und meiner Co-Leiterin Maja reisten wir ins Misox, um Kunst, Natur und Gemeinschaft zu erleben. Es war ein Wochenende voller Vielfalt, guter Stimmung – und, meteorologisch gesehen, mit Glück: das Wetter blieb meist trocken und teils sonnig, nur am Montag gab es Regen.

Tag 1 – Ankunft und Kunst entdecken

Am Freitagnachmittag traf die Gruppe in Soazza ein. Nach einem Begrüssungsapèro in der Casa Bertossa zeigte uns die Kunsthistorikerin Lisa Gianotti auf einem Rundgang durch die ArteSOAZZA einige der Kunstwerke. Diese Freiluftausstellung bringt zeitgenössische Kunst in den öffentlichen Raum des Dorfes und verbindet lokale Geschichte mit künstlerischen Perspektiven.

Am Abend sassen wir zusammen in der Osteria Toschini, wo ein feines Bündner Menü serviert wurde.

Tag 2 – Bäume als Thema der Kunst und der Landschaft

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Natur und ihrer Verbindung zur Kunst. Am Vormittag streiften wir mit Luca Plozza, einem Forstingenieur, durch die Kastanienselven oberhalb von Soazza. Dabei erfuhren die Teilnehmenden Spannendes über die Wiederherstellung dieser traditionellen Kulturlandschaft und ihre ökologische Bedeutung. 

Mittags picknickten wir gemeinsam. Am Nachmittag blieb Zeit um sich die weiteren Kunstobjekte und Filme der ArteSOAZZA anzuschauen und eine leckere Gelati zu essen. Am frühen Abend stand ein Podiumsgespräch auf dem Programm, das der Palme im Alpenraum gewidmet war. Der Künstler Jonathan Steiger, der Förster Luca Plozza und der Ökologe Vincent Fehr beleuchteten das Thema aus künstlerischer, kultureller und naturwissenschaftlicher Sicht.

Zum Znacht gab es im Grotto Verbi traditionelle Polenta mit sehr leckeren Costine vom Grill.

Tag 3 – Kreativität und offene Begegnungen

Der Sonntag startete kreativ. Ein Workshop mit der Künstlerin Annette Sutter aus Soazza ermöglichte individuelle Gestaltung – verschiedene Druckverfahren standen zur Auswahl. Zwischen Farben, Druckplatten und mit vielen Ideen kreierten alle ihre eigenen Werke. Die ruhige Atmosphäre, das konzentrierte Arbeiten und der Austausch untereinander schufen ein besonderes Gemeinschaftsgefühl.

Nach einem bunten Picknick nahm uns am Nachmittag der Künstler Peter Conradin Zumthor auf einen Kunstspaziergang mit. Seine Ausführungen öffneten neue Perspektiven auf die Beziehung zwischen Ort, Werk und Wahrnehmung.

Abends wanderten wir talabwärts zum Ristorante Boffalora. Bei Pizza und Pasta tauschten wir uns über die Erlebnisse des Tages und über vieles mehr aus.

Tag 4 – StreetArt in den Bergen

Zum Abschluss ging es ins Nachbardorf Mesocco, wo das Tessiner Künstlerduo Nevercrew mit ihrem „Zoo di Mesocco“ ein einzigartiges Street-Art-Projekt realisiert hat. Auf Mauern und Brücken begegneten wir Tieren – vom Murmeltier bis zum Elefanten –, die auf eindrückliche Weise das Verhältnis von Mensch und Natur thematisieren. Bei Nieselregen spazierten wir durch den Ort.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedete sich die Gruppe vom Misox und reiste mit vielen Eindrücken und Erlebnissen zurück in den Alltag.

Hinweis: Diesen Text schrieb ich mit Unterstützung von ChatGPT. 😉

Lisa Gianotti zeigt uns das Werk von Bob Gramsma
Karin Sander 1:5
Asi Föcker: Sonnenparcours
Die Gruppe im Atelier von Zilla Leutenegger
Zilla Leutenegger: Senza fine
Kastanienselven
Kreativ Atelier mit Annette Sutter
Mesocco Zoo von Nevercrew

Mit einem Fuss in Afrika mit dem andern in Afrika - Drei Tage wandern, wundern und staunen

7. bis 9. August 2025

Diese Tour wurde von Roy Freeman geplant und geleitet. Da ich mich noch immer von meinem Beinbruch erhole, konnte ich nicht dabei sein.
Maja Spillmann war dabei und schaut auf die Tour zurück. Herzlichen Dank fürs Schreiben.
Die Fotos sind von Maja und Martin. Auch dafür herzlichen Dank.


Tag 1 

Wölfe und Geologen haben etwas gemeinsam: Sie bevorzugen Wege, wo keine sind. Unterwegs mit Roy heisst immer, man ist abseits, im Anderswo eben, und vergiesst etliche Schweisstropfen zusätzlich. Das hat jedoch seinen guten Grund. Die geologisch interessanten Steine liegen nicht unbedingt am Wegrand. 

 

Eine grosse Ausnahme, ein geologisches Weltwunder sozusagen, gibt es hingegen direkt am Weg auf dem Passo San Jorio zu besichtigen: Genau hier verläuft die „Insubrische Linie“, die tektonische Plattengrenze zwischen der Europa- und der Adria-Afrika-Platte, an der Erdoberfläche sichtbar mitten auf dem Wanderweg. Sie erstreckt sich etwa 700 km zwischen Slovenien über den Alpenbogen bis ins Piemont. Und wie kommt es, dass Roy uns hier auf den Bergeller-Granit hinweist? Das Geheimnis liegt in der Verschiebung der beiden Platten: Europa nach Osten und Adria-Afrika nach Westen. Das Gestein aus dem Bergell wurde dabei ausgestreckt und mitgezogen. Selbstverständlich ist alles viel komplexer. Es sind Vorgänge in einer Dimension über Milliarden von Jahren hinweg, wie sie sich nur die Geologen vorstellen können. Hingegen kapieren wir sehr wohl, dass der Ort einzigartig ist auf der Welt, wie auch Roy nicht müde wird, zu betonen. Man kann nur froh sein, dass diese Stelle nicht als UNESCO-Weltnaturerbe erfasst ist. So wissen nur die Geologen davon. Und natürlich wir, die mit Roy unterwegs sind. 

 

Doch bevor wir diese Schlüsselstelle gegen Abend des ersten Wandertags erreichen, sind wir schon einige Stunden über Bergweiden, Steinbrocken und Heidelbeersträuchern kraxelnd unterwegs. Ein Taxi hat unsere Gruppe in Bellinzona abgeholt und in einer einstündigen Fahrt via Roveredo über unzählige Haarnadelkurven hinauf zur Galeria di Monte Laura auf 1’800 m chauffiert. Noch stehen wir im dichten Nebel und ahnen nichts vom späteren Schweissvergiessen. Hündin Lili wittert bereits ein Murmeltier, das aber eiligst im Loch verschwindet. 

 

Die Geissen-Hirtin mit ihren beiden riesigen Schutzhunden hat uns schon lange erspäht und sich gewundert, welche Route diese Gruppe einschlägt. Es gibt doch den bequemen Wanderweg, was haben die vor? Wir berichten ihr vom Mylonitgneis, den es da auf Abwegen zu besichtigen gibt. Er stammt direkt aus dem Erdmantel, ist mehrfach ab- und wieder aufgetaucht und etwa 1.2 Milliarden Jahre alt. 

 

Steil bergaufwärts ziehen wir weiter, überqueren die „Insubrische Linie“ und erreichen ennet der Grenze, der geografischen und der geologischen das Rifugio San Jorio. Die einen beglücken sich mit einer heissen Dusche, die andern mit einem kühlen Bier. Alle finden sich beim knisternden Feuer und einem feinen Risotto wieder. Ein junges, aufgestelltes Team führt die Hütte alternierend im Rahmen von Freiwilligenarbeit. Der Erlös der Einnahmen kommt einem Spital in Peru zugute. Ganz nebenbei tun wir mit unserer Anwesenheit auch noch Gutes.

Tag 2

Melirolo-Augengneis soweit das Auge reicht! Wahrlich ein geologisches Festmahl begleitet uns heute auf Schritt und Tritt und beglückt insbesondere Roy beim Aufstieg auf den Marmontana am zweiten Wandertag. Dieses einzigartige Gestein kommt nur hier vor und ist nach einem Ort im Valle Morobbia benannt. Ja, er ist wirklich sehr schön anzuschauen. Ein kleines Exemplar findet auch den Weg in meinen Hosensack. 

Roy erklärt, welche Geheimnisse uns das Gestein aus geologischer Sicht offenbart. Wer es vielleicht nicht ganz begreift, kann alles in der 52-seitigen Dokumentation, die uns Roy im Vorfeld zur Tour geschickt hat, in Ruhe nachlesen.

Es lohnt sich aber auch sehr, den Blick nicht nur gen Boden zu richten, sondern auch in die Weite schweifen zu lassen. Grandiose Ausblicke öffnen sich immer wieder, mal ins Südbündnerische Misox, mal über die Magadinoebene und den Lago Maggiore ins Tessin und eben heute neu auch in Richtung Comersee und das Valtellina in Italien.

 

Weit unten glitzert der Laghit de la Boga und lädt zum Bade. Dafür heisst es knapp 100 kostbare Höhenmeter ab- und gezwungenermassen auch wieder aufsteigen. Niemand scheut die Mühe, auch wenn nicht alle ins kühle Nass eintauchen.

 

Die motivierte Hüttencrew verköstigt uns abends mit einer köstlichen Lasagne und serviert zur grossen Freude aller eine Riesenschüssel Salat. Zum Grande Finale dieses Tages trägt der dicke, rote Vollmond bei und lässt die stotzigen Auf- und Abstiege vergessen. 

 

Tag 3

Heute gibt’s früher Tagwacht, denn es erwartet uns ein langer, heisser Wandertag. Man will ja die Bergwelt ausgiebig geniessen, so das Motto von Roy. Er wählt darum die deutlich ausschweifendere Route von knapp 12 km bis zur Alpe di Giumello, wo uns das Taxi abholen wird. 

 

Heute wandern wir mit beiden Füssen ausschliesslich auf der Adria-Afrika-Platte. Und ob das nicht schon heiss genug klingen würde, heisst der Weg „Via del Ferro“ und sieht auch entsprechend aus: Überall rotes Eisengestein, was den Hitzefaktor rein optisch noch deutlich erhöht. 

 

Wie kommt das Eisen überhaupt auf die Erde? In all diese Steinbrocken? In unser Blut? Fasziniert lauschen wir Roys Ausführungen. Es kommt aus dem Weltall, wurde bei Supernovaexplosionen freigesetzt. Sternenstaub also, in allen von uns.

 

Der Aufstieg auf die Bocchetta di Sommafiume verlangt nicht nur mir die letzten Kraftreserven ab. Selbst Roy, der den Weg schon unzählige Male gegangen ist, meint, dass die Temperaturen noch nie dermassen hoch gewesen seien. Umso erquickender fühlt sich das feine Lüftlein auf der Passhöhe an, samt den liebevoll eingewickelten Panini und Kuchen aus dem Rifugio zum Picknick und der wundervollen Aussicht in Richtung Magadinoebene.

 

Wir haben Italien nun hinter uns gelassen und wandern vergleichsweise mühelos auf dem abwechslungsreichen, wenn auch zeitweise abschüssigen Weglein unserem Ziel entgegen. Ermattet lassen wir uns im Taxi nieder. Nicht mehr alle haben noch die Energie, sich weiter unten im Tal die Ruinen der Forni Vecchi anzuschauen. Wer sich aufraffen kann, lernt hier die Geschichte über die alpine Erzförderung und Eisenverarbeitung kennen, deren Ursprung auf das 15. Jahrhundert zurückgeht. Die Eisenofen glühen seit 1831 nicht mehr. Heute ist es vielmehr Bellinzona mit weit über 30 Grad, das sich wie ein Schmelzofen anfühlt. 

 

Beim erfrischenden Bier im gekühlten SBB-Wagen werden die Lebensgeister schnell wieder munter und die Gedanken an die kräftezehrenden Etappen verblassen. Was bleibt, sind wundervolle Erinnerungen an unvergessliche Wandertage, gemischt mit etwas Stolz, die Tour gemeistert zu haben!

 

Galeria di Monte Laura
Geologie-Tour mit Roy Freeman
Insurbische-Linie am Passo San Jorio
Laghit de la Boga
Aussicht bewundern
Panorama am Passo San Jorio
Pause im Anderswo
Gratwanderung auf den Marmontana

Kastanien, Kunst und Kastell 2025 - Misox und Val Calanca: zwei wenig bekannte Bündner Südtäler 

7. bis 11. Juli 2025

Bereits zum vierten Mal konnten Maja und ich einer Gruppe die Region Moesano zeigen. Während fünf Tagen waren wir im Misox und im Calancatal unterwegs.

In diesem Jahr findet in Soazza zum ersten Mal die Kunstausstellung ArteSOAZZA statt. Dieses besondere Ereignis nahmen wir in unser Programm auf. Am ersten Tag lernten wir auf einer Führung mit der Kunsthistorikerin Lisa Gianotti einige der speziell für diesen Ort gemachten Kunstwerke kennen.

Am zweiten Tag fuhr die Gruppe mit dem Postauto auf den San Bernardinopass. Dort war das Wetter aber so stürmisch und nass, dass sie gleich auf die andere Seite des Passes weiterfuhren und mit dme nächsten Bus durch den Tunnel zurück nach San Bernardino Villagio. Das Wetter besserte sich dann etwas und wir wanderten über die Alpe Pian Doss zum See und zurück ins Villagio.

Am dritten Tag zeigte uns Assunta Mantovani aus Soazza ihr Dorf und die neueröffnete Ca dela Memoria, ein Museum mit einer Sammlung von Objekten, Werkzeugen und Relikten aus der Vergangenheit, die vom Alltag einer vorindustriellen ländlichen Gemeinde ohne Elektrizität und Motorisierung erzählen.

Am Nachmittag genossen wir die Aussicht von Santa Maria in Calanca und wanderten hinunter zu dem Grotti di Cama.

Wie jedes Jahr war ein weiterer Höhepunkt der Reise der Ausflug ins Calancatal. Am vierten Tag wanderten von Sta. Domenica nach Rossa und wieder talauswärts nach Cauco. Unterwegs besuchten wir die I-Space, das sind Holzskulpturen vom Architekten Davide Macullo. Sie fügen sich in die Landschaft ein und zeigen verschiedene Dimensionen der Begegnung zwischen Mensch und Natur auf.

Am letzten Tag nahm uns der Revierförster Markus Tschuor mit in die Kastanienselven oberhalb von Soazza. Wir erfuhren viel über die Bedeutung und die Pflege der Kastanienbäume.

Nach einem Mittagessen im Grotto Verbi hiess es Abschied nehmen vom Misox, von Soazza und von den Mitresienden.

Fotos und Berichte der früheren Reisen ins Misox findest du weiter unten.

Soazza im Misox
Bob Gramsma El Pont ArteSoazza
Unterwegs zur Alpe Pian Doss
Santa Maria di Calanca
Wandergruppe von im Anderswo
I-space im Calancatal
Kastanienselven in Soazza
Unterwegs in den Selven

In Ulm und um Ulm herum -Willkommen 2025  

30. Dezember 2024 bis 2. Januar 2025

Maja Spillmann hat diesen Bericht verfasst. Herzlichen Dank dafür und für ihre Unterstützung bei der Planung und Durchführung der Reise.

Tag 1 

Dichter Nebel verschluckt das Mittelland, den Alpstein, ja sogar das Ulmer Münster, wie wir später sehen werden. Dabei ist es doch ein wahrlich stattliches Gebäude und zudem mit dem höchsten Kirchturm der Welt ausgestattet. Es steht prominent im Zentrum unseres Reiseprogramms, als Hauptgang sozusagen. Mit ihm werden wir uns am zweiten Tag eingehend auseinandersetzen. 

 

In Romanshorn hat die nun vollständige Reisegruppe die Bodensee-Fähre bestiegen und es sich im geheizten Restaurant bei Kaffee und Tee gemütlich gemacht. Sanft wogend, eingehüllt in Weiss nähern wir uns Friedrichshafen und erreichen wenig später Ulm. Hier macht uns die DB den Ausstieg aus dem Bahnhof nicht gerade einfach: Die Unterführung führt ins Nichts, die Stadt erreicht man einzig über die hohe Passerelle. Aber klar doch, es gibt einen Lift. Aber klar doch, er ist ausser Betrieb. So erklimmen wir Stufe um Stufe, was unserer erst genesenden Reiseleiterin doch etliches abverlangt. 

 

Nach dem Zimmerbezug im Hotel am Münsterplatz stärken wir uns im anregenden Ambiente des Kultur-Lokals Aegis. Auf dem Programm steht am Nachmittag der Stadtrundgang. Ein eisig kalter Wind bläst über den Münsterplatz und wer kann, rüstet sein Outfit noch mit einer zusätzlichen Schicht nach. Wir erfahren, dass die Stadt immer eine freie Reichsstadt war, sich nie unter der Knute eines Herrschers oder gar der Kirche befand und im Mittelalter vor allem dank dem Stoffhandel bis in die entlegensten Winkel Europas sehr hablich wurde. 

 

Wir lernen Berühmtheiten dieser Stadt kennen. Hier entwickelte der geschickte Schneider Albrecht Ludwig Berblinger einen Hängegleiter. Seine ersten Flugversuche von den Anhöhen rund um Ulm klappten ganz gut. Bei jenem über die Donau hingegen scheiterte er kläglich. Hier wurde Albert Einstein geboren. In diesem zarten Alter entdeckte er allerdings noch keine komplexen mathematischen Formeln, die jetzt die Wände unseres Hotels zieren. Und hier verbrachten die Geschwister Sophie und Hans Scholl ein Teil ihrer Kindheit und Jugend. Als Mitglieder der „weissen Rose“, die Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime geleistet hatte, wurden sie 1943 im Alter von 22 und 24 Jahren hingerichtet. 

 

Jüngst hat es Ulm geschafft, die grossen Verkehrsachsen aus dem Zentrum zu verbannen und dieses zu beruhigen. Stattdessen trumpft die Stadt heute mit dem schönsten Parkhaus Deutschlands auf. Am Münsterplatz hat sich der amerikanische Star-Architekt Richard Meier mit dem Stadthaus in Szene gesetzt. Überhaupt fällt der Mix aus historischen Gebäuden und moderner Architektur auf. Einzig im Fischer- und Gerberviertel unten an der Donau, von der Grossen und der Kleinen Blau romantisch umrahmt, scheint die Zeit noch stillgestanden zu sein. Aber fürs Flanieren ist es definitiv zu garstig und man verzieht sich gerne zum Aufwärmen zu Kaffee und Kuchen. 

 

Tag 2 

Der Nebel lichtet sich und gibt allmählich den Blick aufs Münster frei. Die reich geschmückte und mit Raureif überzuckerte Turmspitze glitzert im milden Sonnenlicht. Es ist Ulms bedeutendste Sehenswürdigkeit. Im Anderswo steht es heute erhaben im Mittelpunkt. Peter Vökle, aktuell Betriebsleiter der Münsterbauhütte in Bern, arbeitete früher an der hiesigen Bauhütte. Dass er uns jetzt durch die Jahrhunderte lange Entstehungsgeschichte des Münsters Ulm mit ihren vielen Parallelen zum Berner Münster führt, ist für uns ein absoluter Glücksfall. Denn wer kennt die Baugeschichte der beiden Kirchen besser als er! Er weiss genau, wann welcher Baumeister eine mehr oder weniger geschickte Hand hatte, wo Fehler in Ulm dazu führten, dass sie in Bern verhindert wurden und wo aber auch beide mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Später beim Mittagessen im Stadthaus, mit prominentem Blick aufs Münster, ist sich die Gruppe einig, dass wir mit dem Wissen aus Ulm unbedingt zusammen mit Peter auch das Berner Münster besuchen wollen. 

 

Zurücklehnen und Geniessen heisst der nächste Programmpunkt. Wir tauchen ein ins fulminant inszenierte Musical „Blues Brothers“, lassen uns von den Soul-Klassikern mitreissen und ergötzen uns ob den vielen Gags. Am Ende der Vorstellung wird ein spezieller Gast im Publikum begrüsst. War er es nun wirklich? Oder doch ein Doppelgänger? Ob Olaf Scholz tatsächlich anwesend war, beschäftigt die Gruppe intensiv und hilft mit, die Längen zwischen den Gängen des Silvestermenüs etwas zu verkürzen. 

Kurz vor Mitternacht flüchten wir zurück ins Hotel. Von sicherer Warte aus bestaunen wir und zugleich immer auch leicht fassungslos mit welcher Intensität in Deutschland das neue Jahr mit Feuerwerk begrüsst wird. Im Anderswo stossen wir mit Schweizerischer Zurückhaltung in der Lobby auf 2025 an. Möglich macht das Francesco, der in seinem Rucksack Flaschen und Gläser aus der Rooftop-Bar abtransportiert hat.
Tag 3

Heute werden wir uns den Themen Architektur, Gestaltung und Design widmen. Doch erst einmal lassen wir das noch frische Jahr gemütlich angehen und geniessen das reichhaltige Frühstück mit Blick über die Stadt. 

 

Das Tram bringt uns später zum Campus der Hochschule für Gestaltung HfG auf den Kuhberg. Für einen Blicks aufs Blautal und das Stadtzentrum nehmen wir uns kurz Zeit. Die steife Brise vertreibt uns jedoch rasch ins Gebäudeinnere. Inge Scholl, Otl Aicher und der Schweizer Architekt Max Bill, das sind die wichtigen Namen hier. Sie haben nach Kriegsende die Idee einer demokratischen, vom Bauhaus inspirierten Schule für Gestaltung und Design entwickelt und realisiert. Die HfG war weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Leider musste sie aus Geldmangel nach rund 15 Jahren wieder schliessen. In dieser ultrakurzen Zeitspanne nahm hier seinen Anfang, was aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Etwa die Verwendung von Logos als grafisches Zeichen, das ein bestimmtes Subjekt präsentiert. Hier an der HfG entstand der stromlinienförmige Kranich, der uns jederzeit erkennen lässt, dass die Lufthansa unterwegs ist. Im kleinen Museum entdecken wir zeitlos-klassisches Design, wie die nüchternen, stapelbaren Kaffeetassen. Oder der berühmte, vielseitig verwendbare Ulmer Hocker, den sich die Studierenden bei Studienbeginn selber gezimmert hatten und der heute als Designer-Stück vermarktet wird. Jammerschade, dass die Schule nicht weiterbestehen konnte.

 

Mit Maultaschen, Spätzle oder Wildente gut genährt, bestenfalls noch dank einem kleinen Verdauungsnickerchen wohl ausgeruht, spazieren wir am frühen Abend über den Herbert-Karajan-Platz zum Ulmer Theater. Hier hat der weltberühmte Kapellmeister einige Jahre gewirkt. Heute wird ein anderer auf dem Dirigentenpult stehen und das Philharmonische Orchester leiten. Das Programm des Neujahrskonzerts ist geheim und kommt als Überraschung daher. Es sei das Feuerwerk nach dem Feuerwerk, können wir lesen und tatsächlich ist das nicht zu viel versprochen!

 

Tag 4

Wer schon öfter mit im Anderswo unterwegs war, weiss, dass man sich auch am letzten Tag noch auf einen Leckerbissen freuen darf. Diesen finden wir in der Kunsthalle Weishaupt. Weil das Museum Ulm umfassend umgebaut wird und das nach Deutscher Manier noch etliche Jahre dauern wird, zeigt es ausgewählte Kunstobjekte aus seiner Sammlung beim Nachbar Weishaupt. Das Konzept überzeugt und gibt einen erfrischenden Quer-Beet-Einblick in die Sammlung, neu buchstabiert von M wie Münster, eine eindrückliche Fotomontage von Markus Brunetti,

über U wie Ulmer Löwenmensch, eine weitere, eiszeitliche Berühmtheit aus der Stadt, bis Z wie Zeit, einer ausgeklügelten Standuhr, die abgesehen von der Uhrzeit auch die Jahreszeit, den Mond- und Sonnenverlauf, die Sternzeichen samt Tageshoroskop anzeigt. Letzteres mag allerdings der Fantasie entsprungen sein.

 

Für uns wird es Zeit die Heimreise anzutreten. Die DB lässt sich zum Abschied in letzter Minute noch einen Gleiswechsel einfallen. Selbstverständlich wurden die Lifte in der Zwischenzeit nicht repariert. Ohne dass wir gross davon Notiz genommen haben, hat sich das Wetter verschlechtert. Über dem Bodensee ist Sturm aufgezogen. Rund ums Seebecken blinken die Sturmlampen. Wie wohl die Überfahrt wird? Absolut stürmisch. Es ist streng verboten nach draussen zu gehen, also bleibt auch der Gang zur Toilette verwehrt. Die in Erinnerung an die gemütliche Hinfahrt vorsorglich eingekaufte Zimtschnecke bleibt wohlweislich in der Tasche. Und als die Kaffeetassen über den Tisch schlittern, ist es nicht mehr allen so ganz geheuer. Die einen werden still, andere bleich. Erleichtert sind vermutlich alle, als wir in Romanshorn den sicheren Hafen erreichen.

 

Hier endet die Silvesterreise in Ulm und um Ulm herum. In Erinnerung bleibt ein reichhaltiges Menu à la im Anderswo, mit Zutaten aus Architektur, Kunst und Kulinarik, garniert mit musikalischen Köstlichkeiten und einem Topping, das hohe Wellen schlug.

Ulm Fischeviertel
Münster in Ulm
Mit Peter Völkle im Münster Ulm
im Anderswo im Café im Stadthaus Ulm
Stadthaus und Münster Ulm
Blick vom Kuhberg ins Donautal
In der Hochshcule für Gestaltung Ulm
Museum Ulm. Neu buchstabiert

Greina: Eine Tour durch faszinierende Landschaften -Genussvolle Hüttentour  

2. bis 5. August 2024

1. Wandertag 

Endlich ist es soweit: Wir stehen an der Bushaltestelle in Campra, kurz vor dem Start zur „genussvollen Hüttentour durch faszinierende Landschaften und geologischen Erläuterungen“. Die Greina Ebene, geologisch eingebettet zwischen Gotthard Decke und Adula Decke, ist das Lieblingsgebiet von Roy Freeman, unserem Leiter auf dieser Tour. Er kennt sie wie seine Hosentasche, vielleicht sogar noch besser. 

 

Nach der gestrigen abwechslungsreichen Anreise via Zürich, Chur, Disentis über den Lukmanierpass ins Bleniotal nach Campra hat uns Roy schon bei der Ankunft ein erstes Mal in die zeitlichen Dimensionen der Erdgeschichte eintauchen lassen. Ein feines Nachtessen und eine heisse Dusche haben den Anreisetag abgerundet. Genüsslich und im Wissen, dass dies vorläufig zum letzen Mal so ist, sind alle unter die blütenweissen Decken geschlüpft. 

 

Der Bus Alpin bringt uns in haarsträubenden Kehren hinauf auf die Pian Geirett, dem Start der ersten Etappe. Steil erheben sich die Felswände. Die Wanderstöcke werden ausgefahren. Ganz kurz, wenn’s obsi geht und lang beim Absteigen müssen sie eingestellt sein. Der Weg windet sich immer höher und bald haben wir den Zmittag-Felsen erreicht. Die Markierungen wechseln ab jetzt die Farbe auf weiss-blau, für uns eine neue Herausforderung. Mit Stolz erfüllt werden wir später die Fotos von dieser Kletterpartie betrachten. 

 

Roy und im Anderswo passen perfekt zusammen, denn mit Roy ist man immer anderswo unterwegs, keinesfalls schnurstracks auf den vorgegebenen Routen. Roy stellt sie anders zusammen, sucht aktiv das im Anderswo. So werden aus den angezeigten 45 Bündner-Wanderweg-Minuten ohne weiteres 145 Roy-Minuten. Und wir merken es kaum, bleiben stehen und lauschen staunend bis ungläubig seinen Ausführungen über die Geschichte unserer Alpen. Wie wurde das gemessen? Eine gute Frage. Von welchen Zeitspannen reden wir? Eine sehr gute Frage. Warum gibt es hier keine Einlagerungen von Fossilien? Eine wirklich sehr gute Frage. Und Roy hat selbstverständlich auf alle eine Antwort. 

 

In der nächsten Etappe will ein Fluss durchwandert werden, weshalb auf der Packliste Aqua Schuhe aufgeführt waren. In einigen Rucksäcken fehlen diese allerdings. Roy sitzt ganz still auf einem Stein (vermutlich Gneis). Eben hat er uns erklärt, dass er jetzt weder müde noch sauer sei, sondern nachdenken müsse. Gebannt schaut die Gruppe auf ihn und kann förmlich miterleben, wie sich in seinem Kopf die gesamte Greina-Touren-Route dreht, absinkt, neu auftaucht, sich faltet, dehnt, komprimiert wird und etwas ganz Neues entsteht. Allerdings braucht er dazu nicht 20 Milliarden Jahre, stellen wir erleichtert fest. Nach einigen Minuten strahlt er uns an. Sehr gut, aber es wird etwas länger. Aber das sind wir uns inzwischen ja schon gewohnt. Dennoch sind alle froh, als sich die Terri-Hütte nicht mehr länger ziert und wir uns beim wohlverdienten Bier auf der Terrasse niederlassen können. Nach den Älplermagronen und einem köstlichen Schluck Roten aus La Puglia schlüpfen alle in ihre Schlafsäcke und kriechen unter die rot-weiss gewürfelten Decken. Die letzten Gedanken vor dem Abtauchen: Rauwacke, Gneis, Granit, Dolomit, Glimmer, Quarz, Kristall, Sandstein, Schiefer, Fliesch, …… 

 

2. Wandertag 

Mit dem Auseinanderbrechen der Pangea hat alles begonnen. Bei uns war es das Frühstück. Gestärkt und mehr oder weniger gezeichnet vom nächtlichen Kampf gegen Hitze, Kälte und Schnarchlärm starten wir in die nächste Etappe. In der kühlen Morgenluft fühlt sich der Aufstieg zurück auf die Ebene ganz leicht an. Und wieder pfeifen die Munggen, rauschen die Bäche. Ansonsten ist es still. Auf einem Gipfel erspäht jemand einen Steinbock, später gesellen sich noch weitere dazu. Diese Kletterkünstler, wie behände sie über die Steinbrocken steigen. Unweigerlich denken wir an unsere weiss-blaue Schlüsselstelle von gestern, wo uns die Rauwacke-Brocken extrem gefordert haben. 

Zurück auf der Ebene machen wir Halt bei mit Flechten überwachsenen Felsen. Roy erläutert uns deren Entstehen, einer Symbiose zwischen Pilz und Algen. Letztere produzieren mittels Fotosynthese organische Substanzen, während die Pilze die Mineralien aus dem Gestein beisteuern. Die einen können nicht ohne die anderen existieren. Zeitgenau gehen sie eine Verbindung ein, ein weiteres Wunder der Natur.

Diese wunderbare Landschaft sollte untergehen. Es gab Pläne für einen Staudamm, um die Greina Ebene zu überfluten und das Wasser für die Stromproduktion zu nutzen. Verschiedene Organisationen wehrten sich dagegen. Letztlich war es jedoch der wasserdurchlässigen Rauwacke zu verdanken, dass die Greina nicht in den Fluten versank, sondern die Pläne endgültig in den Schubladen untergingen.

 

Logisch wandern wir nicht auf der „Autobahn“ weiter, sondern zweigen wieder ab, steigen hoch und erreichen unseren Mittagsplatz, der erhaben über der Ebene an einem stillen See thront. Flugs holt Roy frischen Schnittlauch, der hier überall wächst, und lässt uns unser Hütten-Sandwich erfrischend aufpeppen. 

 

Auch diese Etappe wird etwas länger. Doch was sind schon ein, zwei Stunden mehr Wanderzeit angesichts der zeitlichen Dimension, in welcher die Alpenbildung stattgefunden hat. Bestimmt ist das geologisch gesehen äusserst ungenau formuliert. Denn um uns die komplexen Vorgänge des alpinen Gebirgsbau zu erklären, verrenkt Roy seine Hände, nimmt unsere Arme zu Hilfe, faltet sein T-Shirt und versenkt seinen Sonnenhut dazwischen. Und immer wieder: Rauwacke, Gneis, Granit, Dolomit, Glimmer, Quarz, Kristall, Sandstein, Schiefer, Fliesch, ……

 

Wir verlassen nun die Greina Ebene und zweigen in Richtung Motterascio-Hütte ab. Roy schwärmt schon jetzt vom Käse, der auf der Alp hinter der Hütte produziert wird. Und vom überaus reichen Kuchensortiment, das in der Hütte angeboten wird. Glücklicherweise sind wir früh da, um dieses noch vor der kostbaren Schnelldusche zu kosten. Wieder erwartet uns ein feines und mit Liebe angerichtetes Nachtessen. Durch die Panoramafenster beobachten wir ein fettes Murmeltier, das vermutlich seinen letzten Rundgang macht, bevor es sich in die Höhle verzieht. Wir tun es ihm bald gleich. Glücklich über den grosszügigen Schlafraum mit angrenzendem WC - welcher Luxus - und einer nicht nur geöffneten, nein, nach den Erfahrungen der letzten Nacht gleich abmontierten Fensterluke, gibt sich jede und jeder den Träumen hin.

 

3. Wandertag

Was haben wir für ein Wetterglück! Die Greina-Hexe hat sich nicht blicken lassen. Vermutlich ist sie im Anderswo unterwegs. Weit unten blitzt der Stausee, unser erstes Ziel. Bis ganz ins Tal warten ungefähr 1000 Höhenmeter Abstieg, also heisst es die Stöcke hochschrauben. Das Rätsel, das uns Roy für heute aufgegeben hat: Wer erspäht das Edelweiss am Wegrand? Als Belohnung winkt Kaffee für alle auf der nächsten Alp. Davor gibt es noch ein anderes Rätsel zu lösen: Wieso finden wir Iberia-Gestein hier im Tessin, also Gestein, das von der iberischen Halbinsel stammt? Um das zu erläutern sind wieder etliche Hände, Arme und T-Shirt-Falten gefragt. Obwohl wir vielleicht wissenschaftlich nicht bis ins Detail alle Vorgänge erfassen können, das Staunen über diesen Umstand ist unermesslich gross.

 

Kurz vor der Ponte Semina unten im Bleniotal hält Roy noch einmal inne. Hier befindet sich der Übergang in die Zivilisation. Wir nehmen Abschied von der stillen Bergwelt, der Ruhe, der Faszination über die wunderbare Landschaft. Aus den Hosentaschen und Rucksäcken ploppt, surrt und klingelt es - wir sind wieder zurück, auf Empfang. 

 

Etwas müde in den Beinen lassen wir uns in der gekühlten Südostbahn nieder. Alle sind begeistert, darüber, was wir erlebt haben, was wir gelernt haben, was wir geleistet haben. Und noch einmal lassen wir die Eindrücke Revue passieren: Rauwacke, Gneis, Granit, Dolomit, Glimmer, Quarz, Kristall, Sandstein, Schiefer, Fliesch, …… Und der Clou: Der grosse Mythen trägt eine Haube aus Iberia-Gestein.

Maja Spillmann hat diesen Bericht verfasst. Herzlichen Dank dafür und für ihr Einspringen als Reisebegleiterin auf der Tour. Weil mir mein Bandscheibenvorfall noch zu schaffen machte, musste ich leider zuhause bleiben.

Ich erhielt viele begeisterte Rückmeldungen und schöne Fotos

von der Gruppe. Eine neue Tour mit Roy Freeman fürs nächste Jahr ist geplant. Das Programm findest du hier.

Vor der Terri-Hütte
Blühende Greina
im Andereswo auf der Greina
Bachdurchquerung auf der Greina
Ausruhen

Kastanien, Kunst und Kastell 2024 - Misox und Val Calanca: zwei wenig bekannte Bündner Südtäler 

8. bis 12. Juli 2024

"Wir haben die Woche im Misox sehr genossen und erinnern uns gerne an die verschiedenen Momente."
 

"Die Wanderungen im Misox waren wundersam. Danke fürs Aushecken und Begleiten." 
 

"Ich möchte mich für die erlebnisreichen Tage und eure umsichtige Planung inklusive allem Unvorhersehbaren bedanken."

 
"Ich denke gerne an die Zeit im Misox zurück; es war ein schönes und inspirierendes Erlebnis."


Nach 2022 und 2023 fand die Reise in die Region Moesano diesen Sommer zum dritten Mal statt.

Drei Wochen vor unserer Reise zerstörten mehrere Murgänge, ausgelöst durch ein verheerendes Unwetter, Häuser, die Autobahn sowie die Kantonsstrasse und forderten zwei Todesopfer, eine Person wird weiterhin vermisst. Nach Rücksprache mit unseren Kontakten in Soazza entschieden wir uns, die Reise trotzdem durchzuführen. Die Talbewohner*innen sind froh, wenn der Tourismus nicht ganz zusammenbricht. Die Verbindung über die Autobahn war wieder möglich und ein Teil der gesperrten Wanderwege wurde wieder freigegeben. Ein paar kleine Anpassungen und eine grössere Änderung des Programms waren aber nötig: Die Führung durch die Kastanienselven mit dem Kreisförster Luca Plozza konnte nicht stattfinden. Er war fast rund um die Uhr im Krisenstab im Einsatz und hatte keine Zeit, uns die Selven zu zeigen. Dafür hatten wir selbstverständlich grosses Verständnis. Als Ersatz besuchten wir das Museo Moesano in San Vittore. 

Doch der Reihe nach: Am Montagmittag trafen die zehn Gäste mit dem Postauto in Soazza ein. Bei einen Picknick an der Moesa lernten wir uns kennen und stärkten uns für die anschliessende Dorfführung mit Flavia Plozza. Zuerst erzählte sie uns, welche Folgen das Unwetter für die Region hat und wie die Bewohnerinnen und Bewohner damit umgehen. Danach erfuhren wir vieles aus der Geschichte und Gegenwart des Dorfes und der Region. Flavia Plozza stammt aus dem Tal und lebt in Soazza. Sie ist Journalistin, Historikerin und Bibliothekarin.

Am zweiten Tag brachte uns das Postauto auf den San Bernardino-Pass. Von dort wanderten wir nach San Bernadino Villagio und zum Lagh de Pian Doss, einem kleinen Moorsee. Unterwegs entdeckten einige aufmerksame Gäste viele Tiere und Pflanzen. Alle erfreuten sich an den Blumen, Schmetterlinge, Kröten, Vögeln und vielen weiteren interessanten Dingen der Natur.

In San Bernardino probierten wir das gesunde Quellwasser und am See Pian Doss erfrischten sich einige mit einem "Schwumm" und die anderen streckten die Füsse ins Wasser.

Nachdem die Gäste am Mittwochvormittag etwas freie Zeit hatten, brachte uns das Postauto am Mittag nach Roveredo. Dort picknickten wir im Dorf und spazierten dann nach San Vittore zum regionalen Museum, wo Flavia Plozza bereits auf uns wartete. Sie zeigte uns die verschiedenen Ausstellungen über die Region. Anschliessend fuhren wir mit dem Postauto zu den Grotti di Cama. 


Ein weiterer Höhepunkt der Reise war auch in diesem Jahr der Tag im Calancatal. Wir erkundeten die Holzskulpturen I-Space des Architekten Davide Macullo und machten Halt  bei Calanca Swiss Herbs in Rossa. Seit unserem letzten Besuch hat Kiki dort ein kleines Caffè eröffnet. Bei äusserst leckerem Apfelkuchen erholten wir uns im Schatten und erfuhren von Kiki, wie das Start-up aus Naturprodukten der Region Produkte herstellt.

Die Gruppe wanderte dann unter der Leitung von Maja weiter nach Cauco. Ich fühlte mich nicht gut und wollte das Postauto nehmen und die Gruppe dort wieder treffen. Mein Zustand verschlechterte sich aber rapid und ich konnte kaum noch gehen. Kiki organisierte eine Nachbarin, die mich mit dem Auto nach Cauco brachte. Von dort fuhr ich mit Postauto und Taxi direkt zurück nach Soazza. Die Gruppe fuhr weiter nach Santa Maria di Calanca und zum Nachtessen nach Grono.
Ich musste am nächsten Tag mit der Ambulanz nach Bellinzona gebracht werden. Später stellte sich dann heraus, dass die Ursache meiner Beschwerden ein Bandscheibenvorfall war.

Maja führte die Gruppe am letzten Tag über den wieder eröffneten Wanderweg zur Burg Mesooco. Dort wartete erneut Flavia Plozza. Dieses Mal ging es um die Geschichte der Burg und der romanischen Kirche Santa Maria del Castello mit ihren schönen Wand- und Deckenmalereien.

Den Abschluss der Reise machte auch in diesem Jahr ein Mittagessen mit lokalen Spezialitäten im Grotto Verbi in Soazza.

Die Reise ins Misox wird auch im nächsten Sommer wieder auf dem Programm von im Anderswo stehen. Wenn du darüber informiert werden möchtest, abonnierst du am besten den Newsletter.

Soazza im Misox
Saumpfad am San Bernardino
Pause am San Bernardino
Lagh de Pian Doss
Natur im Misox
Grotto Bundi Bellaviste in Cama
Ispace im Calancatal
Kirche Santa Maria del Castello

Silvester in Stuttgart - Willkommen 2024

30. Dezember 2023. bis 2. Januar 2024

Stuttgart, die Hauptstadt von Baden-Württemberg ist mit dem Zug in vier Stunden zu erreichen und hat kulturell und kulinarisch viel zu bieten. Sie liegt in einem Kessel und die Innenstadt ist kompakt und übersichtlich. Wir wohnten zentral in einem schönen Boutique-Hotel.

Mit dem Zug von Bern über Zürich und Schaffhausen erreichten wir gegen Mittag Stuttgart. Nachdem wir das Gepäck im Hotel EmiLu abgegeben hatten, spazierten wir durch das Bohnenviertel zur Wunderkammer, einem kleinen Restaurant. Satt und zufrieden bummelten wir durch den Schlosspark zum Stadtpalais. Auf einer Führung erfuhren wir Fakten und Anekdoten aus der Stadtgeschichte. Abends besuchten wir eine typische Weinstube, den Schellenturm. Die Weinberge reichen in Stuttgart bis in die Innenstadt. Es gab nicht nur Wein sondern auch schwäbische Spezialitäten wie Spätzle, Maultaschen oder Gaisburger Marsch.

 

An Silvester besuchten wir die Siedlung Weissenhof. 1927 wurde diese für eine Ausstellung über modernes Bauen unter der Leitung von Mies van der Rohe gebaut. Auf einer Führung mit einer Kunsthistorikerin besuchten wir das Museum im Haus von le Corbusier und besichtigten die Häuser vieler namhafter Architekten jener Zeit. 

Abends wollten wir eigentlich ein Theaterstück über Frida Kahlo besuchen. Wegen Krankheit eines Ensemblemitglieds wurde es abgesagt und als Ersatz wurde ein Stück über Edward Snowden aufgeführt. Das vielseitige Silvestermenü genossen wir in einem griechischen Restaurant und gegen Mitternacht waren wir zurück im Hotel, wo wir das neue Jahr in der Lounge auf dem Hoteldach begrüssten.

Ins neue Jahr starteten wir gemütlich beim Brunch im Hotel. Anschliessend spazierten wir durch die Stadt auf die Karlshöhe. Nachdem wir den schönen Blick über die Stadt genossen hatten, nahmen wir für den Abstieg ein Stäffele, das sind lange Treppen, die den Kessel mit den Höhenzügen rund um die Innenstadt verbinden. Vom Marienplatz fuhren wir mit der Zacke, einer Zahnradbahn hinauf nach Degerloch. Nachmittags besuchten wir die aktuelle Ausstellung "Sieh dir die Menschen an" im Kunstmuseum. Gegen Abend machten wir uns auf ins Opernhaus zum Neujahrskonzert. Unter dem Titel "Orientexpress" nahm uns das Orchester mit auf eine musikalische Reise von Paris über Wien nach Bukarest. 

Der 2. Januar ist in Stuttgart kein Feiertag. Deshalb war die architektonisch faszinierende Stadtbibliothek geöffnet. Auf einer Besichtigung schauten wir uns das Bauwerk zuerst von aussen an und entdeckten dann die verschiedenen Innenräume. Bis zur Heimreise am Nachmittag hatten alle die Gelegenheit, die Stadt auf eigene Faust zu entdecken. Einige besuchten weitere Ausstellungen, andere bummelten durch die Einkaufsstrasse oder besuchten ein Café. 

 

Die Silvesterreise kam bei den Gästen gut an und es wurde angeregt, dass diese Reise eine Tradition von im Anderswo begründen sollte. Das nehme ich mir gerne zu Herzen und werde auch fürs nächste Silvester wieder eine Städtereise ausarbeiten.

im Anderswo Silvesterreise 2023
Stäffele in Stuttgart
Kunstmuseum Stuttgart
Stadtbiblithek Stuttgart
Stadtbiliothek Stuttgart
Blick von der Karslhöhe über Stuttgart

Hoch im Norden: Sylt - Nordsee und Wattenmeer, Dünen und Heide, Strandkörbe und Promis

19. bis 26. August 2023

Während einer Woche entdeckten wir zu Fuss, mit dem Fahrrad (E-Bike) und dem Bus die aussergewöhnliche Nordseeinsel Sylt. 

 

Wir wohnten - wie einst Wassily Kandinsky, Thomas Mann und Rosa Luxemburg - in Wenningstedt im traditionellen Strandhotel.


Im Verlauf des Samstags kamen die Gäste nach und nach an. Viele waren vorher für ein paar Tage in Hamburg und hatten eine entsprechend kürzere Anreise. Andere kamen mit dem Zug oder mit dem Flugzeug direkt aus Bern. Im Verlauf des Abends war die Gruppe dann komplett. Elf Gäste und die beiden Reiseleitungen trafen sich im Café Iismeer. Dieses wurde im Verlauf der Woche zum regelmässigen Treffpunkt für den Schlummertrunk.


Am Sonntag gings dann richtig los. Auf einer Wanderung lernten wir die Mitte der Insel kennen. Wir durchstreiften Dünen, Strand und Heide und bestiegen die höchste Erhebung der Insel, die 52,5 Meter hohe Uwe Düne. Unterwegs stoppten wir in zwei typischen Cafés und stärkten uns je nach Gusto mit Kuchen, Kaffee, Tee oder kalten Getränken.

Der Montag hatte für uns zwei Führungen bereit: Zuerst lernten wir mit einer Meeresbiologin das Wattenmeer kennen. Auf den ersten Blick wirkt das Watt mit seinem Schlick eher langweilig und eintönig. Doch wenn man genauer hinschaut, entdeckt man ein ganzes Universum. Wir fingen Wattwürmer, gruben Muscheln aus und sogar eine frische Auster konnte mit Zitrone und Champagner degustiert werden.

Am Nachmittag zeigte uns die Autorin und Fremdenführerin Silke von Bremen die weniger bekannten Ecken der Stadt Westerland. Sie erzählte interessante Geschichten über das Inselleben früher und heute. 


Per E-Bike fuhren wir am Dienstag ganz in den Norden der Insel zum Ellenbogen. Dort wo früher die Inselbahn rollte, ist heute ein Radweg angelegt. Unterwegs machten wir mehrere Stopps, unter anderem bei einem Leuchtturm, am Strand an der Spitze des Ellenbogens und in List.

Der Mittwoch stand den Gästen zur freien Verfügung. Einige nutzten den Tag und besuchten die Nachbarsinsel Amrum, andere umrundeten die Südspitze bei Hörnum oder wanderten in der Inselmitte.

Am nächsten Tag gings runter von der Insel. Wir besuchten das Nolde Museum. Im ehemaligen Wohnhaus des berühmten Malers kann man einerseits original erhaltene Wohnräume besichtigen und im Atelier eine grosse Sammlung seiner Bilder. Besonders schön ist der buntblühende Garten. Auf einer Führung und in einem Film erfuhren wir viel über das Leben und Werk von Emil Nolde.

Jetzt fehlte noch ein Besuch in Sylts Osten. Das stand am Freitag auf dem Programm. Wir wanderten am Morsum Kliff und besuchten das als schönstes Dorf der Insel bekannte Keitum.

Nach einer eindrücklichen Woche mit grossem Wetterglück machten sich am Samstag alle auf die Heim- oder Weiterreise. Faarwel!


Kastanien, Kunst und Kastell 2023 - Misox und Val Calanca: zwei wenig bekannte Bündner Südtäler 

25. bis 29. Juni 2023

Nachdem wir im letzten Jahr im August im Bündner Süden waren, fand die Reise in diesem Sommer im Juni statt. Mit einer kleinen Gruppe durchstreiften Maja Spillmann und ich erneut das Moesano, wie das Misox und das Calancatal auch genannt werden. 

Am Sonntag trafen die Gäste in Soazza ein. Die halbe Gruppe wohnte in der Casa Soazza, einem Ferienhaus und die andere Hälfte im kleinen Hotel Soazza.
 

Das Programm entsprach weitgehend demjenigen vom letzten Jahr. Flavia Plozza zeigte uns ihr Heimatdorf und erzählte nicht nur aus der Geschichte sondern auch wie es ist, heute im Misox zu leben. Am Montag wanderten wir bei wunderschönem Wetter vom San Bernardino-Pass durch eine Moorlandschaft und über alte Saumpfade ins Dorf San Bernardino und weiter zum See Plan Doss. Am Dienstag streiften wir mit dem Revierförster Thomas Tschuor durch die Kastanienselven oberhalb des Dorfes. Wir erfuhren vieles über Biodiversität und die sich wandelnde Bedeutung der Kastanienbäume für die Natur und die Bewohnerinnen und Bewohner.

Auch in diesem Jahr war der Ausflug ins Calancatal äusserst interessant. Wir erkundeten die neuen I-Spaces des international bekannten Architekten Davide Macullo mit Wurzeln im Calancatal. Er baute mehrere Häuser im Tal und hat verschiedene Kunstprojekte umgesetzt. Die I-Space sind Holzskulpturen in unterschiedlichen Formen und mit interessanten Bedeutungen. Sie sind im Wald versteckt und die Suche danach glich einer Schatzsuche. 

Am Mittag konnten wir im Garten von Calanca Swiss Herbs in Rossa picknicken und anschliessend bei einer kleinen Präsentation das Start-up kennenlernen. Ein paar junge Menschen aus der Region begannen während der Pandemie aus einheimischen Pflanzen Öle und Essenzen herzustellen. Ein sehr sympathisches Unternehmen.

Der Bruder des Architekten Davide Macullo zeigte uns dessen Ferienhaus im Dorf. Mit seiner speziellen Form und der gestreiften Fassade sticht es von weitem ins Auge. Wir erfuhren unter anderem, was es mit Form und Farbe des Gebäudes auf sich hat. 


Am Nachmittag wanderten wir talauswärts nach Cauco und besuchten das Regionalarchiv. Mit dem Postauto fuhren wir später nach Sta. Maria in Calanca und genossen die Aussicht über das Misox. 

Am letzten Tag spazierten wir über das alte Bahntrasse zur Burg von Mesocco. Dort stiess Flavia Plozza erneut zu uns und führte uns durch die Burg und die Kirche Santa Maria del Castello. 

Zum Abschluss besuchten wir das traditionelle Grotto Verbi in Soazza, wo wir uns mit Käse, Salami und Trockenfleisch aus dem Tal für die Rückreise in die Deutschschweiz stärkten.

Mit interessierten und interessanten Gästen verbrachten wir reichhaltige Tage mit fröhlichen und auch tiefsinnigen Momenten im Moesano. 

Kirche San Martino in Soazza
Am San Bernardino
Alpenrosen am San Bernardino
I-Space im Calancatal
Haus in Rossa von Davide Macullo

Kastanien, Kunst und Kastell 2022 - Misox und Val Calanca: zwei wenig bekannte Bündner Südtäler 

31. August bis 4. September 2022

Am Mittwochmittag trafen die acht Gäste in Soazza im Misox ein. Wir starteten mit einem Picknick am Fluss Moesa. Dort lernten wir uns kennen, besprachen das Programm der nächsten Tage und stärkten uns mit Käse, Salami und Brot aus der Region. Am Nachmittag führte uns Flavia Plozza durch ihr Heimatdorf und erzählte uns vom Leben früher und heute.
Bei schönem Wetter wanderten wir am Donnerstag vom San Bernardino-Pass durch eine Moorlandschaft und über alte Saumpfade ins Dorf San Bernardino und weiter zum See Plan Doss. Am Freitagvormittag erkundeten wir mit dem Revierförster Thomas Tschuor die Kastanienselven oberhalb Soazzas. Die Kastanienbäume waren früher sehr wichtig für die Bevölkerung. Später kümmerte sich niemand mehr darum und die Selven überwucherten mit anderen Bäumen und Sträuchern. Seit einigen Jahren werden die Kastanien im Rahmen eines Naturschutzprojekts wieder gehegt und gepflegt.
Mittags fuhren wir mit dem Postauto talabwärts nach Roveredo. Dort findet seit 22 Jahren jeden Sommer eine grosse Kunstausstellung, die "openArt" statt. Auf einem Gelände ausserhalb des Ortes sind Skulpturen von Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland präsentiert.
Parallel zum Misox verläuft das Calancatal. Dieses besuchten wir am Samstag. Am Vormittag regnete es noch und wir fuhren mit dem Postauto zuhinterst ins Tal nach Rossa. Die Bevölkerung des Tals ist sehr aktiv und engagiert sich für die Entwicklung dieses abgelegenen Tals. Wir erhielten Einblick in einige der Projekte. Als erstes besuchten wir Calanca Swiss Herbs. Ein paar junge Leute begannen während der Pandemie mit der Produktion von Essenzen und Ölen aus einheimischen Kräutern und Pflanzen. Bei einer kurzen Einführung erfuhren wir Hintergründe zur Produktion und den Produkten.

Der international bekannte Architekt Davide Macullo mit Wurzeln in Rossa hat mehrere Häuser gebaut und verschiedene Kunstprojekte im Tal umgesetzt. Wir konnten eines der Häuser besuchen. Später liess der Regen nach und wir wanderten talauswärts nach Selma. Unterwegs machten wir einen Halt im Regionalarchiv in Cauco. Auf dem Rückweg besuchten wir Sta. Maria in Calanca und bestiegen den Turm aus dem Mittelalter.
Am letzten Tag waren wir nach dem Frühstück im neuen Museum von Miggi Santi, einer Bewohnerin von Soazza zu Gast. Sie sammelt seit Jahren historische Alltagsgegenstände aus der Region und hat diese jetzt in einem alten Gebäude liebevoll ausgestellt. Anschliessend wanderten wir über das alte Bahntrasse zur Burg von Mesocco. Dort stiess Flavia Plozza erneut zu uns und führte uns durch die Burg und die Kirche Santa Maria del Castello. Die Burg ist die grösste Burganlage im Kanton Graubünden. Die Kirche ist normalerweise verschlossen, damit die wertvollen Wandmalereien nicht beschädigt werden. Flavia hatte einen Schlüssel und konnte uns die sehenswerten Gemälde zeigen. 
Zum Abschluss der Reise kehrten wir im Grotto Verbi in Soazza ein. Unter Bäumen genossen wir Käse, Salami und Trockenfleisch aus dem Tal und genossen dazu je nach Lust einen Merlot oder ein Gazosa aus der Region. Am Nachmittag machten sich die alle auf den Heimweg zurück in die Deutschschweiz.

"Es war einmal mehr toll mit dir im Anderswo, abwechslungs- und lehrreich, fröhlich und voller Überraschungen 😁 Danke für deinen Einsatz, liebe Grüsse und ich freue mich aufs nächste Mal 🙋🏼‍♀" (Ein Gast)

Soazza im Misox
San Bernardino Ospizio
Kastanienselve in Soazza
OpenArt in Roveredo
Haus von Davide Macullo in Rossa
Kirche Santa Maria del Castello in Mesocco
Ispace in Rossa Calancatal

"Ich hab' noch einen Koffer in Berlin - Deswegen muss ich nächstens wieder hin"

Mehr als die bekannten Sehenswürdigkeiten

25. bis 30. Mai 2022

Mein Co-Leiter Jürg und ich begrüssten die dreizehn Gäste am Mittwochabend in Berlin. Zum Auftakt besuchten wir die Kneipe in der Brotfabrik, einem Kulturzentrum im Bezirk Pankow. So richtig los mit dem Programm gings am nächsten Tag mit einem Rundgang durch den Prenzlauer Berg und am Nachmittag mit einer Velotour zu verschiedenen historischen Stätten entlang der ehemaligen Mauer.

Der Freitag war dem Maler Max Liebermann gewidmet. Wir besuchten die Villa Liebermann am Wannsee. Auf einer kurzweiligen und interessanten Führung lernten wir den Maler besser kennen. Besonders angetan waren wir von dem wunderschönen Garten direkt am See.

Der Samstag stand dann im Zeichen von Architektur und Stadtentwicklung. Mit dem "Mann mit Hut" erkundeten wir die Siemensstadt, eine der sechs UNESCO-Welterbe-Siedlungen der Moderne in Berlin. 

Am Freitag- und Samstagabend hatten die Gäste die Möglichkeit verschiedene kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. Das Angebot reichte von einem Konzert in der Philharmonie, über Oper, Theater bis zu Kabarett.

Am Sonntag unternahmen wir mit dem Schweizer Künstler und Ausstellungsmacher Peter Spillmann eine Stadtwanderung von Neukölln bis zum Alexanderplatz. Wir waren fast ausschliesslich in Parks und Grünanlagen unterwegs und erfuhren und erlebten, wie Tiere und Menschen in der Grossstadt zusammenleben (Cohabitation).
Abends verabschiedeten wir uns bei einem indischen Essen voneinander und liessen die ereignisreichen Tage Revue passieren.

Das grosse Interesse an der Reise hat uns sehr gefreut und wir werden die Reise im nächsten Frühling wieder durchführen. Termine und weitere Informationen findes du auf der Website.

In der Brotfabrik Berlin
Streetart in Berlin
Radtour in Berlin mit Berlin on Bike
Die Villa Liebermann am Wannsee
In der Villa Liebermann am Wannsee bei Berlin
Gebäude von Gropius in der Siemensstadt Berlin
Unterwegs mit Peter Spillmann auf den Spuren der Cohabitation in Berlin mit Peter Spillmann
Der Fernsehturm am Alexanderplatz Berlin

Auf den Spuren der Geschichte im Elsass - Schauplätze der Weltgeschichte

22./23. April 2022

Die erste Reise von im Anderswo führte uns ins Elsass. Wir waren mit einem kleinen Car unterwegs und besuchten diese historischen Orte:

  • Hartmannswillerkopf
  • Gedenkstätte le Linge - Lingekopf
  • Strasbourg
  • Elsass - Mosel Gedenkstätte
  • Konzentrationslager Natzweiler - Struthof


Es war eine Zeitreise in die wechselvolle und kriegerische Vergangenheit dieser Region im Spannungsfeld zweiter Staaten.
 

Es zeigten sich viele Parallelen zur aktuellen Kriegssituation in der Ukraine. 

In der Gruppe wurde viel darüber diskutiert, weshalb sich Geschichte wiederholt und die Mächtigen nichts aus der Vergangenheit lernen. Die Reise war keine "leichte Kost", trotzdem sehr erhellend und bereichernd.

Zwischen den Besuchen von Kriegsschauplätzen, Museen und KZ blieb uns auch Zeit, die schönen Seiten des Elsass zu geniessen. Etwa bei Flammkuchen, Choucroute und Quiche Loraine.

Die Reise war eine Kooperation mit mit dem Verein "action.bildung.erleben". 


Kathedrale Strasbourg